Wasserdichte Laufschuhe – wann sind sie sinnvoll?

Wasserdichte Laufschuhe versprechen trockene und warme Füsse bei Regen, Schnee und nasskaltem Wetter. Doch sind sie wirklich die bessere Wahl? Ich laufe seit vielen Jahren auch im Winter und bei schlechtem Wetter und habe sowohl normale Laufschuhe als auch Modelle mit wasserdichter Membran verwendet. Meine Erfahrung: Wasserdichte Laufschuhe können sehr angenehm sein – aber nicht bei jedem Wetter und nicht für jedes Training.

Kurz erklärt: Wasserdichte Laufschuhe lohnen sich vor allem bei kaltem, nassem Wetter, auf feuchten Wegen und bei Schnee oder Schneematsch. Bei wärmeren Temperaturen oder intensiven Trainingseinheiten sind normale Laufschuhe mit luftdurchlässigem Mesh-Obermaterial meist angenehmer.

Was sind wasserdichte Laufschuhe?

Normale Laufschuhe besitzen meist ein leichtes und luftdurchlässiges Mesh-Obermaterial. Das sorgt für eine gute Belüftung, schützt die Füsse aber kaum vor Regen, Schnee und Nässe.

Bei wasserdichten Laufschuhen wird zusätzlich eine wasserdichte Membran in den Schuh eingearbeitet. Häufig handelt es sich um Gore-Tex oder ein vergleichbares Material. Auch der Bereich unter der Schnürung und die Zunge müssen entsprechend konstruiert sein, damit möglichst wenig Wasser eindringen kann.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen wasserdicht und wasserabweisend: Wasserabweisende Laufschuhe können einen kurzen Regenschauer oder Spritzwasser eine gewisse Zeit abhalten. Bei längerem Kontakt mit Wasser bieten sie jedoch nicht den gleichen Schutz wie ein Schuh mit wasserdichter Membran.

Ganz wasserdicht ist allerdings auch ein Laufschuh mit Membran nur so lange, wie kein Wasser von oben über den Schaftrand in den Schuh läuft. Bei starkem Dauerregen, tiefen Pfützen oder einer Bachdurchquerung kann deshalb auch ein wasserdichter Laufschuh innen nass werden.

Meine Erfahrung mit wasserdichten Laufschuhen

Ich kann mich noch gut an meine ersten Laufjahre erinnern. Auch bei nasskaltem Wetter schnürte ich meine Laufschuhe. Manchmal lag Schneematsch auf den Wegen. Während der Körper durch die Bewegung langsam warm wurde, meldeten sich zuerst die nassen und kalten Füsse.

Da ich das ganze Jahr hindurch trainierte und auch bei Schneematsch und Regenschauern unterwegs war, legte ich mir schliesslich einen Gore-Tex-Laufschuh zu. Bei längeren Trainingseinheiten im Winter waren die warmen und trockenen Füsse ein deutlicher Vorteil.

Ich komme beispielsweise von einem Lauftraining mit wasserdichten Laufschuhen zurück: November, 4 Grad, Regen und Sturm. Die Füsse blieben trocken und warm. Bei solchen Bedingungen kann ein wasserdichter Laufschuh das Laufen deutlich angenehmer machen – und auch der Laufmotivation helfen.

Vorteile wasserdichter Laufschuhe

  • Die Füsse bleiben bei Regen, nassen Wegen und Schneematsch länger trocken.
  • Die zusätzliche Membran schützt auch vor kaltem Wind und hält die Füsse im Winter wärmer.
  • Nasse Socken werden seltener zum Problem. Das kann auch das Risiko für Blasen an den Füssen reduzieren.
  • Bei langsamen und längeren Läufen in der kalten Jahreszeit empfinde ich den zusätzlichen Wetterschutz als angenehm.
  • Wer ganzjährig trainiert, muss eine geplante Einheit wegen nasskaltem Wetter weniger schnell ausfallen lassen.

Nachteile wasserdichter Laufschuhe

Die zusätzliche Membran hat auch Nachteile. Deshalb würde ich wasserdichte Laufschuhe nicht grundsätzlich normalen Laufschuhen vorziehen.

  • Weniger Luftaustausch: Die Füsse werden in einem wasserdichten Schuh schneller warm.
  • Etwas höheres Gewicht: Die zusätzliche Konstruktion und das Material machen den Schuh schwerer.
  • Weniger Flexibilität: Das Obermaterial fühlt sich steifer an als bei einem leichten Mesh-Laufschuh.
  • Höherer Preis: Die wasserdichte Variante eines Laufschuhmodells ist meistens teurer.
  • Wasser kann schlechter wieder hinaus: Läuft bei starkem Regen Wasser von oben in den Schuh, bleibt es dort eher stehen. Bei einem Traillauf liefen mir bei einer Bachdurchquerung einmal die Schuhe voll. Da sich die nassen Socken und Schuhe eng an die Füsse anschmiegten, konnte ich zwar problemlos weiterlaufen – angenehm war es aber nicht.
  • Die Passform kann anders sein: Durch die zusätzliche Membran kann das gleiche Laufschuhmodell innen etwas enger ausfallen.

Gerade der letzte Punkt wird beim Kauf gerne unterschätzt. Nur weil dir die normale Version eines Laufschuhs perfekt passt, muss das bei der wasserdichten Variante nicht automatisch genauso sein.

Wann machen wasserdichte Laufschuhe Sinn?

Für mich hängt die Entscheidung weniger davon ab, ob es regnet, sondern vor allem von Temperatur, Untergrund, Trainingsdauer und Trainingsintensität.

Besonders sinnvoll finde ich wasserdichte Laufschuhe bei:

  • kaltem Regen im Herbst und Winter
  • Schnee und Schneematsch
  • nassen Wald- und Feldwegen
  • langen, eher ruhigen Dauerläufen bei tiefen Temperaturen
  • windigem und nasskaltem Wetter

Je langsamer ich bei kalter Witterung unterwegs bin, desto eher schätze ich einen wasserdichten Laufschuh. Bei intensiveren Trainingseinheiten produziert der Körper deutlich mehr Wärme. Dann bevorzuge ich meist einen leichteren und besser belüfteten Schuh.

Wann sind normale Laufschuhe besser?

Bei wärmeren Temperaturen würde ich auf die wasserdichte Membran verzichten. Auch bei Regen kann ein leichter Mesh-Laufschuh die angenehmere Lösung sein. Das klingt zunächst widersprüchlich: Wasser dringt schneller ein – kann aber auch wieder besser aus dem Schuh heraus.

Gerade bei starkem Sommerregen ist es ohnehin schwierig, die Füsse vollständig trocken zu halten. Wasser läuft über Beine und Socken von oben in den Schuh. Dann bringt selbst eine wasserdichte Membran nur begrenzt etwas.

Laufen mit wasserdichten Laufschuhen bei starkem Regen

KI-generiertes Symbolbild

Mehr Tipps zur Kleidung und zum Training bei nassem Wetter findest du unter Laufen bei Regen.

Für schnelle Trainingseinheiten, Tempoläufe oder Intervalle bevorzuge ich ebenfalls einen normalen Laufschuh. Das leichtere und flexiblere Obermaterial sowie die bessere Belüftung sind bei höherer Belastung für mich wichtiger als trockene Füsse.

Wasserdichte Laufschuhe im Winter

Im Winter spielen wasserdichte Laufschuhe ihre Vorteile besonders gut aus. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt können Regen, Schneeregen und Schneematsch sehr unangenehm werden. Genau unter solchen Bedingungen schätze ich die Kombination aus Nässeschutz und zusätzlicher Wärme.

Entscheidend ist aber auch der Untergrund. Ein wasserdichter Strassenlaufschuh besitzt nicht automatisch eine besonders griffige Sohle. Schnee, Eis und nasses Laub stellen andere Anforderungen an das Profil als trockener Asphalt.

Wenn du häufig auf unbefestigten oder rutschigen Wegen läufst, kann deshalb ein wasserdichter Trail-Laufschuh die bessere Wahl sein. Er verbindet den Nässeschutz mit einem gröberen Profil.

Strassenlaufschuh oder wasserdichter Trailschuh?

Wenn du hauptsächlich auf befestigten Strassen und Wegen läufst, würde ich einen Strassenlaufschuh wählen, der zusätzlich in einer wasserdichten Version erhältlich ist.

Bist du dagegen häufig auf Waldwegen, Naturstrassen oder schlammigem Untergrund unterwegs, ist ein Trail-Laufschuh meistens sinnvoller. Neben dem wasserdichten Obermaterial bekommst du ein stärker ausgeprägtes Profil.

Wasserdichte Trail-Laufschuhe auf nassem Waldweg

KI-generiertes Symbolbild

Mit Sohlen von Vibram oder Continental habe ich im Stadtgebiet gute Erfahrungen gemacht. Andere Sohlen waren auf bestimmten glatten Bodenbelägen und vor allem auf nassen Schachtdeckeln deutlich rutschiger.

Auf längeren Asphaltstrecken kann das gröbere Profil eines Trailschuhs dagegen weniger angenehm sein. Mehr dazu findest du unter Laufen auf Asphalt.

Worauf beim Kauf wasserdichter Laufschuhe achten?

Viele Laufschuhmodelle werden sowohl als normale als auch als wasserdichte Version angeboten. Trotzdem solltest du die wasserdichte Variante unbedingt separat anprobieren.

Bei mir fiel die Gore-Tex-Ausführung eines Asics-GT-Modells enger aus. Während mir das normale Modell in US 9 passte, benötigte ich beim wasserdichten Modell US 9.5.

Wie bei allen Laufschuhen sollte vor der grossen Zehe ungefähr eine Daumenbreite Platz bleiben. Weitere Tipps dazu findest du unter Laufschuhe kaufen.

Achte beim Anprobieren zusätzlich darauf, ob die Membran oder Falten im Innenmaterial irgendwo drücken. Was im Geschäft nur leicht stört, kann nach einer Stunde Laufen unangenehm werden.

Bei einem meiner Gore-Tex-Schuhe bildete sich nach vielen Laufkilometern seitlich im Bereich der kleinen Zehe eine winzige Unebenheit im Innenmaterial. Anfangs nahm ich sie kaum wahr, mit der Zeit störte sie beim Laufen aber immer mehr.

Auch die richtige Schnürung der Laufschuhe bleibt wichtig. Gerade bei einem etwas steiferen Obermaterial sollte der Schuh sicher sitzen, ohne Druck auf dem Fussrücken zu erzeugen.

Sind Gore-Tex-Laufschuhe wirklich wasserdicht?

Eine wasserdichte Membran schützt sehr gut gegen Wasser, das von aussen durch das Obermaterial eindringen würde. Die Schwachstelle bleibt jedoch die Öffnung des Schuhs. Läuft Wasser über das Bein und die Socke in den Schuh hinein, kann auch ein Gore-Tex-Laufschuh nasse Füsse nicht verhindern.

Das ist gleichzeitig einer seiner Nachteile: Während Wasser aus einem luftigen Mesh-Schuh relativ schnell wieder herauslaufen kann, bleibt eingedrungenes Wasser in einem wasserdichten Schuh eher eingeschlossen.

Wasserabweisend oder wasserdicht?

Nicht jeder Laufschuh, der für schlechtes Wetter angeboten wird, besitzt eine wasserdichte Membran. Manche Modelle haben lediglich ein wasserabweisend behandeltes Obermaterial.

Das kann ein interessanter Mittelweg sein: Der Schuh hält leichten Regen und Spritzwasser besser ab als ein normales Mesh-Modell, bleibt aber leichter und luftiger als ein vollständig wasserdichter Schuh.

Für längere Läufe bei Dauerregen, Schnee oder Schneematsch würde ich einen solchen Schuh allerdings nicht mit einem Modell mit wasserdichter Membran gleichsetzen.

Alternative: wasserdichte Socken

Eine weitere Möglichkeit sind normale Laufschuhe in Kombination mit wasserdichten Socken. Damit kannst du deinen gewohnten Laufschuh weiterverwenden und den Nässeschutz über die Socken ergänzen. Das habe ich bei lockeren Läufen bei garstigem Wetter öfter gemacht, als ich noch keine wasserdichten Laufschuhe in meiner Laufschuhrotation hatte.

Mein Fazit zu wasserdichten Laufschuhen

Für mich sind wasserdichte Laufschuhe keine Allround-Laufschuhe für das ganze Jahr, sondern eine sinnvolle Ergänzung für bestimmte Bedingungen. Besonders bei kaltem Regen, Schnee und Schneematsch möchte ich auf sie nicht verzichten.

Bei mildem Wetter, starkem Sommerregen oder intensiven Trainingseinheiten bevorzuge ich dagegen normale Laufschuhe mit einem leichten und gut belüfteten Obermaterial.

Wenn du regelmässig das ganze Jahr hindurch läufst, kann deshalb ein wasserdichtes Paar eine sinnvolle Ergänzung deiner Laufschuhrotation sein. Wie viele verschiedene Modelle tatsächlich sinnvoll sind, erfährst du unter Wie viele Laufschuhe brauche ich?.

FAQ – häufige Fragen zu wasserdichten Laufschuhen

Sind wasserdichte Laufschuhe wirklich wasserdicht?

Eine wasserdichte Membran verhindert weitgehend, dass Wasser durch das Obermaterial eindringt. Läuft bei starkem Regen Wasser von oben über den Schaftrand in den Schuh, werden die Füsse trotzdem nass.

Sind Gore-Tex-Laufschuhe im Sommer geeignet?

Bei warmem Wetter sind sie für mich meist nicht die beste Wahl. Die Membran reduziert den Luftaustausch, wodurch es im Schuh schneller warm wird. Im Sommer bevorzuge ich deshalb leichte Laufschuhe mit Mesh-Obermaterial.

Brauche ich für den Winter wasserdichte Laufschuhe?

Notwendig sind sie nicht. Wenn du jedoch häufig bei kaltem Regen, Schnee oder Schneematsch trainierst, können sie das Laufen deutlich angenehmer machen und die Füsse länger warm und trocken halten.

Sind wasserdichte Laufschuhe schwerer?

Die zusätzliche Membran und die aufwendigere Konstruktion machen ein wasserdichtes Modell meist etwas schwerer und steifer als die normale Variante desselben Laufschuhs.

Sollte ich wasserdichte Laufschuhe grösser kaufen?

Nicht grundsätzlich. Du solltest sie aber unbedingt anprobieren, weil die zusätzliche Membran die Passform verändern kann. Bei einem meiner Asics-GT-Modelle benötigte ich die Gore-Tex-Version beispielsweise eine halbe US-Grösse grösser.

Sind wasserdichte Trail-Laufschuhe besser als wasserdichte Strassenlaufschuhe?

Das hängt vom Untergrund ab. Auf befestigten Wegen ist ein Strassenlaufschuh meist angenehmer. Auf Waldwegen, schlammigem Boden oder Schnee bietet ein Trail-Laufschuh durch sein gröberes Profil zusätzliche Vorteile.

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