Mein erster Marathonlauf

Mein erster Marathonlauf – Zürich 2011: Fünf Jahre davor hatte ich einmal die Vision, einen Marathon zu laufen. Dann war ich ebenso viele Jahre überzeugt, keinen laufen zu wollen. Kurz vor Weihnachten 2010 habe ich mich entschieden, mich während 16 Wochen spezifisch auf den Zürich Marathon 2011 vorzubereiten und daran teilzunehmen.

    • Marathon: Zürich Marathon 2011
    • Datum: 17. April 2011
    • Angestrebte Zeit: 3:34 Stunden
  • Endzeit: 3:41:38 Stunden
  • Längster Trainingslauf: 33.1 km
Asics GT-2130 nach rund 800 Trainingskilometern vor dem Zürich Marathon

Meine Asics GT-2130: Nach rund 800 Trainingskilometern trug ich sie auch bei meinem ersten Marathon in Zürich.

Der Start meines ersten Marathons

«Marathon sind 10 km Laufen mit 32 km Anlauf.» – Ein Friedrich Tschirner zugeschriebenes Zitat

So ist es! Nach 16 Wochen spezifischer Marathon-Vorbereitung mit dem FlexMarathon stehe ich um 8:30 Uhr im Starterfeld des Zürich Marathon 2011. Ein tolles Gefühl inmitten von 4000 Läuferinnen und Läufern mit dem gleichen Ziel.

Die ersten 10 km durch Zürichs Innenstadt

Unglaublich, wie viele Zuschauer am Sonntag früh organisiert werden konnten. Die Laufstrecke ist vor allem im Bereich des Seeufers von vielen Menschen gesäumt, die mit Glocken, Ratschen oder ihrer Stimme die Stimmung ankurbeln.

Als ich mir vor der Anmeldung die Strecke angeschaut habe, dachte ich, dass die Schlaufen durch die Stadt schwierig sein würden, da verschiedene Stellen mehrfach passiert werden müssen. Doch in der Startereuphorie war das überhaupt kein Problem und sicher besser, als wenn man am Schluss noch „Schlaufen“ hätte sammeln müssen.

Mein vorgenommenes Tempo kann ich kaum einhalten. Immer wieder laufe ich etwas zu schnell, muss mich korrigieren, halte einen Kilometer die Pace durch, werde wieder etwas schneller. Und das, obwohl ich mich nicht an anderen Mitläuferinnen und Mitläufern orientiere.

Das erste Runners-High

Kurz nach km 10, am General Guisan Quai, schwappt die erste Endorphin-Welle und damit das Runners-High unerwartet über mich. Dazu die vielen Zuschauerinnen und Zuschauer auf beiden Seiten. Einfach toll! Deswegen musst du einen Marathon laufen. Genau deswegen! Etwa beim „Zürihorn“ schwappt eine zweite Welle durch meinen Körper. Da läuft einfach alles…

An der Goldküste Richtung Meilen

Ich passiere Tiefenbrunnen. Überall gibt es Guggenmusiken oder Musikbands, die in den Ortschaften entlang der Goldküste die Zuschauer und die Läufermassen in Stimmung bringen. Ich geniesse die Umgebung, den nahen See, die Parkanlagen, die andere Seeseite (die Pfnüselküste).

In Küsnacht rauschen die ersten Läufer aus der Spitzengruppe auf der Gegenseite an uns vorbei. Wir feuern sie an, wohlwissend, dass wir auf der anderen Seite wohl nicht mehr gleich gut in Form sein würden.

Die Halbmarathon-Marke überquere ich locker. Wer hier schon erste Ermüdungserscheinungen verspürt, wird im letzten Drittel leiden im Quadrat.

In Meilen liegt der Wendepunkt. Es geht ganz ungewohnt wenige Höhenmeter hoch, um in einer Schlaufe wieder zurück zur Seestrasse zu führen. Ein leichter, angenehmer Gegenwind setzt ein.

Zurück nach Zürich

Ich nähere mich langsam aber sicher der 33-Kilometer-Marke. So weit bin ich noch nie im Leben gelaufen. Mein längster Lauf in der Vorbereitung war 33.1 km lang und führte über eine Strecke mit vielen Höhenmetern. Eine neue Rekordmarke, noch bevor ich den ganzen Marathon überhaupt gelaufen bin…

Mental wird es jetzt anspruchsvoll. Zeit, um die Landschaft zu geniessen, wird spärlicher. Die Beine werden müde. Ich teile mir die Strecke bis zu km 38, eingangs der Stadt, in Stücke auf. Ab km 38 sind es noch 22 Minuten ins Ziel. Das gibt für den Kopf und den Körper leistbare Abschnitte.

Gibt es plötzlich Krämpfe in den Beinen? Was erwartet mich noch?

Um Kilometer 35 will ich am letzten Verpflegungstisch ein Wasserfläschchen fassen. Ich verpasse es jedoch knapp und möchte nicht mehr anhalten. Zwei Minuten später holt mich links ein Läufer ein und streckt mir eines seiner beiden Fläschchen entgegen. Er hat mein Missgeschick beobachtet, für mich ebenfalls eines mitgenommen und mich danach wieder eingeholt. Das sind Laufkollegen!

Gegen den inneren Schweinehund kämpfen

Das, was ich auf den Longjogs erlebt habe, ist in keiner Weise zu vergleichen mit dem, was jetzt kommt: Der Körper meldet mit verschiedenen «Alarmsystemen», dass es jetzt reicht. Der Kopf muss die Organe anweisen, dass die Müdigkeit nach dieser Leistung normal sei und es bis ins Ziel zu schaffen sei.

Der innere Schweinehund schmeisst unerwartet die Frage in den Raum: «Warum tust du dir so etwas überhaupt an?». Meine Antwort kommt blitzschnell: «Weil ich mich dieser Herausforderung gestellt und mich optimal darauf vorbereitet habe.» Der innere Schweinehund ist durch die pfeilschnelle Antwort überrascht und gibt klein bei.

Ich erhalte die Bestätigung, dass der Marathon jenseits des 30. Kilometers erst beginnt.

Die letzten vier Kilometer durch Zürich

Die 38-Kilometer-Marke ist erreicht. Mit einem ganz kleinen inneren Lächeln denke ich an den Moment zurück, 33 Kilometer und mehr als zwei Stunden früher, als ich an dieser Stelle das erste Mal vorbeigerannt bin. Das gibt etwas Motivation und Biss für den Endspurt, den es aber nicht geben wird.

Durch die Bahnhofstrasse geht es auf km 40 zu. Eine imposante Einkaufsstrasse. Ich bin mit mir und meinen schweren Beinen mehr als beschäftigt. Zu 100 %. Mein Blick folgt den Tramschienen in der Strasse. Mehr liegt fast nicht drin. Noch etwas mehr als 10 Minuten. Die sind zu schaffen, wenn ich schon dreieinhalb Stunden geschafft habe. Energie zum Steigern des Lauftempos gibt es nicht mehr – denke ich. Die Beine laufen einfach noch. Müsste man ausweichen, könnte das ins Auge gehen. Randsteine meiden. So hoch steigen mag ich nicht mehr.

Der letzte Kilometer ist von Menschenmassen gesäumt, die anspornen. Reagieren liegt nicht mehr gross drin, aber innerlich freue ich mich über die Unterstützung und auf das, was jetzt bald kommt: Der Zieleinlauf – der Triumph über den inneren Schweinehund – das Ergebnis des langen Trainings – steht bevor. Ich gebe in Gedanken alles und finde, dass ich schneller werde. In Wirklichkeit war es der langsamste Kilometer (Verpflegungsstellen ausgeschlossen) des ganzen Laufes.

Der Zieleinlauf

Mein Zieleinlauf beim Marathon mit erhobenen Armen

Geschafft: Mein Zieleinlauf beim Zürich Marathon 2011 nach 3:41:38 Stunden.

Mit erhobenen Armen – als Zeichen meines Sieges über mich selbst – laufe ich nach 3:41:38 Stunden über die rote Matte. Meine angepeilte Zeit von 3:34 Stunden hatte ich zwar verpasst. In diesem Moment spielte das jedoch keine Rolle: Ich hatte meinen ersten Marathon geschafft.

Ich ging ins Gehen über. Meine erschöpften Beine wollten eigentlich noch weiterlaufen – ich aber garantiert nicht mehr.

Eine Medaille wurde mir um den Hals gehängt und der Chip von der Startnummer entfernt. Im Zelt nahm ich das Finisher-Shirt, Getränke und einen Apfel entgegen. Alles war perfekt organisiert.

Mein Fazit zum ersten Marathon

Ein häufig Emil Zátopek zugeschriebenes Zitat lautet: «Wenn du laufen willst, dann lauf eine Meile. Willst du aber ein neues Leben, dann lauf Marathon.»

Dem habe ich nichts hinzuzufügen…

» Marathon – Spezial (Warum Marathon laufen, Zeitaufwand, Voraussetzungen, wichtige Marathon-Trainingseinheiten, Marathon-Trainingspläne und andere Themen)

» Mein 16-Wochen-Marathontraining

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